20.01.14 Von: Tobias Köster Mitglied im Bundesarbeitskreis der Kolpingjugend bis September 201

Kommentar 01/2014 Inklusion – Ein Gewinn für die ganze Schule

In regelmäßigen Abständen veröffentlicht die Kolpingjugend Deutschland den persönlichen Kommentar einen Mitgliedes des Bundesarbeitskreises. Tagesaktuelle politische und gesellschaftliche Themen sowie Themen die Kinder und Jugendliche bewegen, werden darin aufgegriffen. Getreu dem Leitsatz der Kolpingjugend: „Wir mischen kreativ, kritisch und konstruktiv in Kirche und Gesellschaft mit und machen uns stark für eine lebenswerte Zukunft." Dieser Kommentar wurde verfasst von Tobias Köster, er war Mitglied im Bundesarbeitskreis der Kolpingjugend bis September 2013.


Inklusion – Ein Gewinn für die ganze Schule

Inklusion ist ein Begriff, der vermehrt in den letzten Jahren durch die Medien geistert, wenn über das Schulsystem in Deutschland diskutiert wird. Im Mittelpunkt dieser schulischen Diskussionen steht eine zentrale Frage: Sollen „normale“ und „behinderte“ Schülerinnen und Schüler gemeinsam unterrichtet werden? Diese Frage spaltet Fernsehtalkshows, Parteien und Lehrerkollegien. Zumeist geht es um finanzielle Ausstattung, Lehrpersonenschlüssel und die Homogenität in Schulklassen.

Mich persönlich betrifft diese Diskussion seit mich mein Schulleiter Anfang letzten Jahres fragte, ob ich mir vorstellen könne, eine neu einzurichtende Inklusionsklasse an unserer Schule als Klassenlehrer zu übernehmen. Auch ich habe mir daraufhin die gerade genannten Fragen gestellt und mich trotz der in der medialen Öffentlichkeit vorherrschenden Befürchtungen und Vorurteile sowie fehlender personeller und finanzieller Ressourcen, für die Übernahme dieser Klasse entschieden. Seit Anfang September 2013 ist nun auch unsere Schule eine inklusive Schule.

Nach den ersten Schulwochen muss ich feststellen, dass Inklusion - neben einigen wenigen Problemen - eine Bereicherung für das Klassenklima, für den Zusammenhalt und für alle Schülerinnen und Schüler meiner Klasse ist. Das Klassenklima ist geprägt von Rücksichtnahme, Toleranz, Hilfsbereitschaft und Einfühlungsvermögen. Die Schülerinnen und Schüler gehen auf die Schwächen ihrer Klassenkameradinnen und -kameraden ein, helfen bei Problemen und bieten Schutz vor Hänseleien auf dem Schulhof. Gleichzeitig bringen die Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen andere Denk-und Sichtweisen in den Unterricht ein, die ebenfalls das gemeinsame Lernen bereichern.

Natürlich muss man auch die andere Seite der Inklusion in den Blick nehmen. Können Kinder mit Beeinträchtigungen sinnvoll in Regelschulklassen mit 30 Schülerinnen und Schülern gefördert werden, oder geht deren Förderung zu Lasten der restlichen Kinder? Fragen, die ich für mich vom derzeitigen Standpunkt aus nicht beantworten kann und die vielleicht auch erst mit Abschluss der Schullaufbahn meiner Klasse in gut fünf Jahren richtig beantwortet werden können.

Trotzdem halte ich - aus heutiger Sicht und bezogen auf meine Klasse - die Inklusion für eine Bereicherung für mich persönlich sowie für das Schulleben und alle darin Involvierten. Anstatt immer nur die Fehler und Schwierigkeiten im System zu suchen und diese medial zu propagieren, appelliere ich an alle, die am Schulsystem beteiligt sind, sich auf die Erfahrung des Unterrichtens einer Inklusionsklasseeinzulassen. Auch Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sind es wert, dass wir uns für sie einsetzen und ihnen ein möglichst „normales“ Schul- und Lebensumfeld bieten. Trotzdem möchte ich mit diesem Appell nicht die Politikerinnen und Politiker auf kommunaler, Landes- und Bundesebene aus der Verantwortung entlassen, für eine angemessene finanzielle und personelle Ausstattung der Inklusionsschulen Sorge zu tragen!

Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die wir nur gemeinsam meistern können!

Tobias Köster

Der 32jährige Dortmunder ist Realschullehrer und hat sich viele Jahre ehrenamtlich für die Kolpingjugend engagiert. Bis September 2013 war er Mitglied im Bundesarbeitskreis der Kolpingjugend.

Köln, im Januar 2014