Kolping-Geburtstagsfeier zeigte "Eine Geschichte mit Zukunft"

Foto: Tim Schroers
Foto: Markus Schüngel
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Mit einem vielfältigen, öffentlichen Programm feierte das Kolpingwerk im Diözesanverband Essen am letzten Junisamstag den 200. Geburtstag von Adolph Kolping (1813-1865).

„Wir sind Kolping, Menschen dieser Welt“, schallte es vom Burgplatz in die stark frequentierte Einkaufsmeile „Kettwiger Straße“ der Essener City. Mit seinem Kolping-Lied eröffnete Liedermacher Jo Jasper den Kolpingtag. Der Diözesanverband Essen feierte mit einem abwechslungsreichen Fest und knapp 1.000 Teilnehmenden den 200. Geburtstag von Adolph Kolping. Ob Kampagnenmobil, Hüpfburg oder die vielen Banner: Kolpingorange war die vorherrschende Farbe in der Nähe des Essener Doms.

Diözesanvorsitzende Klaudia Rudersdorf, Bischof Franz-Josef Overbeck und Oberbürgermeister Reinhard Paß begrüßten die externen Besucher und Kolpinggeschwister. Die drei Redner zeigten sich beeindruckt vom breiten Angebot und dankten allen Beteiligten im Kolpingwerk für ihr Engagement. Mit ihrem Lieblingszitat von Adolph Kolping „Wer Menschen gewinnen will, muss sein Herz zum Pfand einsetzen“, begründete Klaudia Rudersdorf, warum sich viele Kolpinger für diesen Festtag wie für andere Aktionen persönlich einsetzen.

Die Teilnehmer konnten zwischen fast fünfzig Infoständen, Programmpunkten auf der Bühne und Mitmachaktionen wählen, die einen Querschnitt aus dem vielfältigen sozialen und kulturellen Engagement der verschiedenen Kolping-Gruppen und -Einrichtungen im Ruhrbistum darstellten.

Humorvoll und teilweise im typischen Ruhrgebietsdeutsch moderierte Kabarettist Thomas Glup das bunte Bühnenprogramm aus Tanz, Theater, Musik und Gesang. Ernsthaft wurde es hingegen in seinen Interviews mit Vertretern unterschiedlicher Gruppierungen zu gesellschaftlichen Missständen und zum tatkräftigen solidarischen Handeln aus dem Geiste Kolpings. Beispielsweise erläuterte Hans-Josef Winkler aus Wattenscheid-Höntrop, wie seine Kolpingfamilie durch ihre Benefiz-Karnevalsgala seit Jahrzehnten diverse Projekte und Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit finanziell unterstützt oder „Patenschaften“ für Hauptschüler aus sozial schwachen Familien übernimmt. Die Hörsturz Skiffle Companie aus Essen spielte zwischen den Interviews auf.

Die sozialpolitische Haltung des Kolpingwerks vertrat Landesvorsitzender Karl Schiewerling MdB in seinem Vortrag zur Verteilungsgerechtigkeit am Beispiel eines Kindergeburtstages. Dies bot eine passende Überleitung, um den riesigen Geburtstagskuchen anzuschneiden und die etwa 200 Stücke sowie etliche gespendete Kuchen an die Gäste zu verteilen.

Auch bei den Mitmachaktionen und Infoständen zeigte sich die Mannigfaltigkeit des Kolping-Engagements, hier einige Beispiele: Inge und Otto Kreuz von der Kolpingsfamilie Duisburg-Duissern zeigten anhand einiger Briefmarkenalben, dass sie diese ständig annehmen und zugunsten von Kolpingprojekten in Brasilien verkaufen. Die Kolpingsfamilie Duisburg-Zentral präsentierte ihr soziales Engagement mit der Schulmaterialkammer und ließ vor allem junge Gäste zum Entenrennen antreten. Hans Pfeifer aus Essen-Katernberg bot mit seinen Kolpinggeschwistern Pendelkegeln an. Der Bezirksverband Mülheim stellte dar, wie er sich mit Bildungs- und Freizeitveranstaltungen für Familien engagiert, während der Bezirksverband Gelsenkirchen mit dem „Kreuz der Arbeitslosigkeit“ die gemeinsamen politischen Aktionen aller christlichen Sozialverbände in der Stadt präsentierte. Des Weiteren sprachen sie etwa 400 Gäste für ein Portraitfoto an, um daraus mit Hilfe eines EDV-Programms ein großes Kolping-Portrait zu erstellen und bereiteten den ganzen Tag fair gehandelten Tatico-Kaffee und -Cappuccino zu.

Die mitgliederstarke Kolpingjugend aus Schwelm brachte ihre Rollenrutsche für Kinder mit nach Essen und bot damit eine Alternative zur Hüpfburg. Am Stand der diözesanen Kolpingjugend probierten sich kleine wie große Gäste am „Parcours der Fähigkeiten“ aus, den üblicherweise Schüler der achten Klasse zur Berufsorientierung durchlaufen.

Das Team des Kolpinghauses Essen-Frohnhausen präsentierte seine Angebote, wie das Jugendwohnen. Das Kolping-Berufsbildungswerk aus Essen-Kray zeigte praktisch, was ihre Auszubildenden als Beikoch bzw. als Holzbearbeiter lernen. Die Beiköche boten frisch belegte Schnittchen an, bei den Holzbearbeitern durften interessierte Gäste selbst die Fräse bedienen und einen Untersetzer zum Mitnehmen anfertigen.

An der kostümreichen Bühnenaufführung von „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ fanden nicht nur die kleinsten Gäste großen Gefallen. Die Gruppe der Kolpingsfamilie Gelsenkirchen-Zentral hatte das Märchen erstmals vor 19 Jahren aufgeführt, erfreute damit immer wieder Kinder und hatte für die Freiluftaufführung nochmals ordentlich geprobt. Als Moderator Glup erfuhr, dass einige Zwergenkostüme eigentlich OP-Hemden aus einer Klinik sind, scherzte er: „Da sollte man besser vor jeder Operation fragen, ob nicht gerade Schneewittchen aufgeführt wird.“

Die weitere Angebotspalette des Bühnenprogramms reichte vom Jugendblasorchester Gelsenkirchen und die jugendliche Kolping-Tanzgarde aus Höntrop über den Kolping-Chor aus Schwelm bis zum Konzert von Jo Jasper. Seine einfühlsamen und nachdenklichen Lieder untermauerte der Liedermacher aus Nürnberg mit einigen Kolpingzitaten.

Als der ehemalige Diözesanpräses Martin Cudak und Wilhelm Tolksdorf, Präses der Kolpingfamilie Essen-Zentral, bei lang ersehntem Sonnenschein den Open-Air-Gottesdienst zelebrierten, klang es zum Schluss nochmals laut in die City: „Wir sind Kolping, Menschen dieser Zeit. Und wir handeln aus Verbundenheit. Gottes Liebe weitergeben, offne Tür zu sein, zusammen leben, nicht allein.“